Ein Besuch in der "Süßen Genusswerkstatt"

Ich gehe im Sommer furchtbar gerne Eis essen, am liebsten ist es mir, wenn ich dafür auch nicht allzu weit laufen muss. So stieß ich irgendwann, eigentlich mehr durch Zufall, auf die "Süße Genusswerkstat" in der Inneren Laufer Gasse 14 in Nürnberg.

 

Was sofort auffällt, wenn man hineinkommt sind die wohlige Atmosphäre und die Liebe zum Detail. Hier gibt es alles, von selbstgemachte Kuchen, Torten, Schnitten, über Gebäck bis zu Pralinen und Fairtrade Kaffee und vor allem: eine total freundliche und liebe Bedienung.

Man fühlt sich einfach direkt wohl und willkommen. 

Geführt wird das Geschäft von den Eheleuten Birgit und Günter Gruber, die ihre Anfänge der Selbstständigkeit 1994 in Roßtal wagten und schnell expandieren konnten. Qualität zahlt sich eben aus. Nach einer Vergrößerung im Jahr 2003, in Roßtal selbst, folgte vor einigen Jahren dann schließlich der Umzug nach Nürnberg.  Wer sich die "Süße Genusswerkstatt" gerne einmal genauer ansehen möchte, kann das auf deren Website tun https://www.suesse-genusswerkstatt.de/

oder natürlich besser noch: einfach mal im Laden vorbeischauen. 


Als Ehepaar auch noch zusammen arbeiten...Ist da immer alles so harmonisch oder auch einfach mal zu viel?

"Also man braucht natürlich eine gute Streitkultur und auf beiden Seiten auch die Bereitschaft, wenn es mal kracht, wieder auf den anderen zuzugehen. Man darf sich das aber nicht so vorstellen, dass wir den ganzen Tag aufeinandersitzen. Wir haben ja auch innerhalb des Ladens verschiedene Arbeitsbereiche, die räumlich voneinander getrennt sind: Ich mehr im Verkauf und mein Mann in der Backstube. In Roßtal damals saßen wir enger aufeinander, als wir das jetzt tun. In unserer Freizeit haben wir ja auch noch Hobbies, die wir getrennt voneinander machen, alles halb so wild."

Wie alt ward ihr, als ihr das Geschäft in Roßtal 1994 gegründet habt?

Birgit: "Also ich war damals 24 und Günter 27.

Wir hatten damals auch schon zwei kleine Kinder im Alter von einem und drei Jahren. 

Der Sprung in die Selbstständigkeit - Wie kam es dazu?

Günter: "Ich hatte eine Lehre und dann meinen Meister zum Bäcker- und Konditor gemacht. Damals waren Bäcker aber nicht besonders gesucht also sagte ich irgendwann zu meiner Frau: Du, was hältst du davon, wenn wir uns selbstständig machen? Sie sagte ja, also...

 

Man muss aber dazu sagen, dass wir genau wussten, dass wir familiär wirklich jeden Rückhalt hatten, auch wegen den Kindern. Oma und Opa haben gut unterstützt, sonst hätten wir das alles nicht geschafft."

Wenn ihr mit dem Wissen von jetzt nochmal von vorne anfangen könntet, würdet ihr etwas anders machen?

"Also klar, sich selbstständig zu machen kostet viel Kraft, Einsatz und Engagement. Wie überall im Leben gibt es natürlich auch Höhen und Tiefen, dann muss man sich eben zusammenraufen, aber im Grunde würden wir alles nochmal genau so machen. Der familiäre Zusammenhalt war damals wirklich entscheidend, alleine und ohne Unterstützung ist sowas schwer aufzuziehen."


Wie definiert ihr "Erfolg" für euch?

Birgit: "Erfolg bedeutet für uns, wenn man genug Geld hat für das, was man braucht, und darüber hinaus noch Spaß an dem hat, was man tut, wenn es sich eben einfach richtig anfühlt. Ich glaube ich hätte sonst auch meine Krankheit nicht überstanden (Birgit litt an einer schweren Krebserkrankung). 

 

Wenn ich morgens alles vorbereite und mich freue wie schön alles aussieht und abends dann, wenn wir zusammenräumen alles verkauft ist, die Menschen glücklich sind, gerne zu uns kommen und es von Jahr zu Jahr mehr Kunden werden, das ist einfach ein tolles Gefühl."

Was schätzt ihr besonders an eurem Beruf?

Günter: "Die Arbeitszufriedenheit - wenn ich morgens anfange Berliner zu machen und dann irgendwann einen ganzen Wagen voll habe, man sieht eben gleich, was man geschafft hat.

 

Es ist ein Beruf, der einfach viele Sinne mit einbindet:

Man hat die ganze Zeit mit seinen Händen zu tun, man kann riechen was man produziert und es am Schluss sogar essen und: wenn man dann auch noch sieht, dass es anderen Menschen auch schmeckt und sie glücklich sind, das ist einfach toll!"


Gibt es ein besonders schönes Erlebnis im Zusammenhang mit eurem Beruf?

"Eigentlich war es damals, in dem Moment selbst keine schöne Erfahrung, jetzt rückblickend schon und zwar:

Die Eröffnung unseres ersten Ladens. Da bereitet man so lange alles vor, richtet ein, dekoriert, backt, tut und macht - versucht natürlich ein bisschen die Werbetrommel für die Eröffnung zu rühren, denkt man ist wirklich gut vorbereitet und dann...ist zwei Stunden nach Öffnung alles komplett ausverkauft..."

 

Birgit: "Günter kam so gegen elf und wollte sich ein Bild machen, wie alles so läuft...ich habe ihn, als er hereinkam, garnicht begrüßt, ich meinte nur: du kannst gleich wieder nach Hause und gehen und backen was du schaffst!"

 

"Es war einfach ein blödes Gefühl die Leute, die extra gekommen waren, dann wieder heimschicken zu müssen,

weil nichts mehr da war - damit hatten überhaupt nicht gerechnet."

 

Günter: "Es ist einfach schön zu sehen, wenn Leute immer wieder kommen, gut finden was du machst und deine Arbeit wertschätzen, oder sogar extra von weiter her zu dir fahren um die Sachen bei dir im Laden zu kaufen."

Gibt es, neben all den positiven Dingen, auch schlechte Erfahrungen oder Erinnerungen?

Birgit: "Abgesehen von meinem persönlichen Einschnitt durch die Krebserkrankung hatte das natürlich auch wirtschaftliche Folgen. Wenn man selbstständig ist gibt es eben keine Lohnfortzahlungen wegen Krankheit, dann kann man selber schauen, wie man klarkommt und das alles organisiert.

 

Wir hatten damals Gott sei Dank tolle Aushilfen, die auch mehr gearbeitet und Überstunden gemacht haben, damit alles fertig wurde. Die hatten damals aber natürlich auch nicht so den Überblick, weil ja selbst ich noch nicht genau wusste, wie alles laufen sollte. Aber sie haben sich ganz toll eingebracht, dafür bin ich ihnen noch heute dankbar."


Würdet ihr das, was ihr tut, als "Arbeit" definieren, oder ist es für euch etwas anderes?

"Dazu können wir nur sagen:

Liebe was du tust, dann musst du dein ganzes Leben lang nicht arbeiten."

"Wer sein Hobby zum Beruf macht, muss sich ein neues Hobby suchen." - Würdet ihr das so unterschreiben?

"Das könnten wir jetzt so eigentlich nicht sagen. Wir haben das Glück, dass unser Beruf so viele kreative Möglichkeiten bietet, dass es nie langweilig wird."


Als Selbstständiger sind manche Dinge ja etwas komplizierter; plagen euch manchmal Sorgen oder Ängste?

"Nein, Sorgen oder Ängste haben wir eigentlich keine. Wir haben die Gewissheit, dass mit unserem Laden erstmal alles so bleiben kann, wie es ist und, dass irgendwann keine Kunden mehr kommen oder so, davor haben wir auch keine Angst.

Man muss einfach immer mit der Zeit gehen und anbieten, was der Kunde gerne haben möchte. In unserem Beruf kann man nicht einfach nur machen, worauf man selber Lust hat. 

Anfangs zum Beispiel hatten wir nichts veganes im Sortiment, mittlerweile haben wir auch da eine große Auswahl. 

Das war früher das Problem vieler Bäcker, Konditoren oder auch Metzger: Kein Wille für Veränderung. Das war schon immer so, also bleibt das auch so. Damit fährt man auf lange Sicht eben nicht besonders gut. Man muss sich auch den Gegebenheiten anpassen und darauf hören, was die Kunden wollen und zurückmelden."

Ein typischer Tag bei euch im Geschäft...

Günter: "Ich stehe so gegen 03:00 Uhr auf, gehe in die Backstube und fange an der Zettel abzuarbeiten, den mir meine Frau am Vortag geschrieben hat, was wir alles brauchen. Gegen Mittag bin ich dann etwa mit allem fertig und danach hier und da zur Unterstützung: helfe im Verkauf, fahre Nachlieferungen aus etc."

 

Birgit: "Ich fange um 08:00 Uhr an, bereite die Lieferungen vor, fahre sie aus, ich muss mich damit immer ein wenig beeilen, damit ich bis 09:30 Uhr fertig bin, sonst kann ich nicht mehr direkt durch die Stadt fahren, und um zehn machen wir hier dann den Laden auf."

"Das Tolle ist dann auch, wenn wir um 18 Uhr zuschließen: wir sind schon beide hier im Laden, zusammen. Dann beginnt unser Feierabend, an dem uns auch wichtig ist, dass wir noch etwas zusammen machen. Wir fahren dann noch gemeinsam Fahrrad, laufen durch die Stadt o.ä. Diese gemeinsame Zeit ist uns auch sehr wichtig, Günter muss ja dann auch früher wieder ins Bett als ich, da ich ja morgens später anfange als er."

Handwerk, damals und heute - ein Vergleich:

Günter: "Also wenn ich so zurückblicke, damals war der Konkurrenzkampf bzw. das Konkurrenzdenken zwischen Bäckern und Konditoren sehr groß. Da hätte nie einer groß mit dem anderen geredet oder sich gegenseitig geholfen. Früher hieß es immer: Bäcker arbeiten, Konditoren spielen nur - Der Bäcker muss schließlich seinen Teig kneten, während ein Konditor mit Spritzbeuteln hantieren kann, Torten verzieren und so weiter. 

 

Heute ist das anders. Da gibt es viel mehr Kooperationen untereinander. Was die großen Ketten angeht: Ich glaube das große Bäckersterben ist vorbei. Die Kunden denken wieder um, besinnen sich wieder mehr auf Handwerk und Tradition, statt auf modern und Masse. 

 

Man muss aber auch sagen, das ist zwar bei den Kunden so aber, wir bilden ja auch aus - finden nur leider seit Jahren keine Auszubildenden mehr. Praktikanten haben wir immer wieder mal welche, aber die kommen meist nur, weil sie von der Schule aus eben ein Praktikum machen müssen und suchen sich dann eine Stelle, die nahe an ihrem zu Hause liegt. Früher in Roßtal hatten wir zum Teil 18 Studenten, die bei uns arbeiteten, aushalfen etc. Klar, da gab es auch welche, die nur wegen der Bezahlung kamen, aber auch viele, die sich wirklich eingebracht haben und für sich persönlich etwas aus der der Arbeit mitnehmen konnten. Das ist heutzutage nicht mehr so."

Was würdet ihr Menschen raten, die mit dem Gedanken spielen, sich selbstständig zu machen?

Birgit: "Ich denke, egal wie groß oder wie klein die Idee ist, die man umsetzen will, es ist wichtig, dass man ein stabiles privates Umfeld hat, das einen auch unterstützt, sonst funktioniert das nicht. Ich meine damit nicht finanzielle Hilfe, sondern vielmehr eine moralische, Menschen, die an einen glauben und auch mal mit anpacken, wenn Not am Mann ist.

 

Unser Rat: Wenn es das ist, was du wirklich machen willst, wofür du brennts, dann mach es!

Menschen bereuen auf dem Sterbebett nichts mehr, als die Dinge, die sie nicht getan haben - ich weiß wovon ich spreche.

Und, was soll denn auch immer schlimmes passieren? Im dümmsten Fall hat man auf jeden Fall eine Erfahrung gemacht.

Die Menschen haben viel zu viel Angst vor dem Scheitern, dabei gehört das zu Leben einfach dazu."