"Es ist nicht immer alles Gold, was glänzt..." - Hier schon!

Bei "Storytime" geht es, neben persönlichen Ansichten und Geschichten, ja auch um verschiedene Berufe, die mich persönlich interessieren, und vielleicht ja auch den einen oder anderen von euch.

 

Mein erster Besuch führte mich zu Herrn Wegener, der sein Geschäft "wegener-schmuck" am Fünferplatz 8 in Nürnberg betreibt. 

 

Die Idee Herrn Wegener nach einem Termin zu fragen kam mir, nachdem ich bereits ein Armband ändern und einen Ring hatte machen lassen und mir dabei vor allem seine Freundlichkeit und Begeisterung für seinen Beruf
aufgefallen waren. Beide Male hatten wir uns etwas länger unterhalten, vor allem wegen des Rings, wo er sich die Zeit nahm mir zu erklären welche Arbeitsschritte notwendig sind und wie er gemacht wird. 

 

Man hatte keinesfalls das Gefühl, als wolle man den Kunden einfach nur schnell abfertigen, wie es bei den größeren Schmuckgeschäften zuweilen ja häufiger der Fall ist.
Hier geht es eben noch um Handwerk, nicht um
bloßen Verkauf.

 

Zentrales Merkmal von wegener-Schmuck ist die persönliche Beratung, die Begleitung eines Auftrags von der Besprechung der Kundenwünsche, über die Anfertigung bis hin zur Übergabe des fertigen Schmuckstücks.  

 

Herr Wegener nimmt sich viel Zeit für seine Kunden und ist ein angenehmer Gesprächspartner, der nicht nur viel zu erzählen hat, sondern dem man auch noch gerne zuhört. 



Wie kamen Sie zu dem Berufswunsch "Goldschmied"?

"Mein Vater war Augenoptiker, für mich war aber relativ schnell klar, dass ich das nicht machen wollte. Ich dachte eher an Schreiner, Keramiker oder eben Goldschmied. Während meiner Schulzeit hatten wir zwei Praktikumsblöcke von jeweils zwei Wochen. Nachdem ich ein Praktikum beim Keramiker und eines beim Goldschmied absolviert hatte war die Entscheidung für mich klar."

Wann und wo haben Sie Ihre Ausbildung gemacht?

"Meine Ausbildung zum Goldschmied habe ich in Kiel gemacht. Danach ging ich als Goldschmiedegeselle nach Nürnberg an die Akademie der bildenden Künste, um dort Schmuckdesign zu studieren. Entgegen den Vorstellungen mancher Auszubildender hat der Beruf des Goldschmieds an sich nämlich eigentlich eher wenig mit dem Entwurf individueller Stücke
und Design zu tun. Für mich war von Anfang klar mich irgendwann selbstständig zu machen und ich wollte mehr mit eigenen Entwürfen arbeiten können."

 

("Zu meiner Zeit  gab es an der AdbK auch viele Architekten und Grafiker - die konnten damals auch noch alle wirklich gut zeichnen, was ja heutzutage kaum noch der Fall ist. Durch Computer muss man das heutzutage ja auch alles nicht mehr so können und ich schätze so sind alle Berufe im Lauf der Zeit einem Wandel unterworfen. Sehen Sie, wenn ich an den Fotografen denke, der für mich die Fotos macht: Ich hatte ihm einmal gesagt, dass ich schon gerne hätte, dass mein Stempel und Schriftzug in einem Ring, den er bereits fotografiert hatte, nicht auf dem Kopf stehen sollten.
Seine Antwort darauf war nur: "Naja, dann drehen wir das am PC halt einfach um." Das wäre früher nicht so einfach gewesen.
In meinem Beruf rechne ich in den nächsten Jahren noch mit einigen Veränderungen, wenn man bedenkt was mittlerweile mit Lasern und 3D-Druckern alles möglich geworden ist.")

Welche Vorstellungen hatten Sie vor Ihrer Ausbildung von dem Beruf und haben sich diese durch die Ausbildung verändert?

"Durch mein zweiwöchiges Praktikum hatte ich eigentlich eine recht genaue Vorstellung davon, wie der spätere Berufsalltag aussehen würde. Große Veränderungen oder gar Enttäuschungen gab es also eigentlich nicht."

Was sollte man Ihrer Meinung nach an persönlichen Voraussetzungen für diesen Beruf mitbringen?

"Naja, ich würde sagen man braucht auf jeden Fall gute feinmotorische Fertigkeiten und Geduld. Darüber hinaus sollte man im Hinterkopf behalten und sich bewusst sein, dass man keine wirklich sinnstiftende Arbeit verrichtet - wir reden hier von der Herstellung von Schmuck, einem Luxusartikel, der ja nicht wirklich notwendig ist. Ein Goldschmied fertigt ja keine Bedarfsutensilien oder Gebrauchsgegenstände des täglichen Lebens. Entsprechend schwankt natürlich auch die Nachfrage und, man macht eben etwas für jemanden, was diese Person nicht zwingend braucht, aber eben einfach gerne haben möchte."

Hat sich der Beruf über die Jahre verändert?

"Ich glaube der Beruf an sich, mit all seinen Tätigkeiten etc. hat sich eigentlich kaum verändert. Sicher sind durch die Technik einige Arbeitsschritte nun schneller umzusetzen aber ich glaube im Großen und Ganzen hat sich einfach die Zahl der Goldschmiede massiv verringert. Früher gab es noch große Betriebe, die zum Teil 20 Goldschmiede beschäftigt hatten, das ist heute nicht mehr der Fall. Ich glaube in ganz Bayern gibt es noch drei Berufsschulen für Goldschmiede, eine davon war, soweit ich weiß, kurzzeitig sogar von Schließung bedroht, weil es einfach nicht mehr so viele Auszubildende gibt, um die Klassen zu füllen. Im Raum Franken sind es noch etwa fünf Ausbildungsbetriebe - alleine daran sieht man, wie stark der Rückgang auf diesem Sektor ist."

Was schätzen Sie besonders an Ihrer Arbeit?

"Was ich an meinem Beruf ganz besonders schätze ist der persönliche Kontakt zum Kunden, und das vom ersten Moment. Man bespricht die Idee, fertigt Entwürfe und Modelle an, versichert sich nochmal beim Kunden, ob auch alles in die gewünschte Richtung geht und macht sich dann an die Feinarbeit. Beim den meisten anderen Berufen ist man nur ein kleines Rädchen im großen Getriebe, aber hier aber ich alle Schritte während des Prozesses selbst in der Hand."


Gibt es besonders schöne oder schlechte Erlebnisse im Zusammenhang mit Ihrem Beruf?

"Naja, also wirklich schlechte Erinnerungen habe ich nicht. Es gab wohl mal einen Kunden, einen Architekten, der einen Halsschmuck gefertigt haben wollte. Nach seinen Vorstellungen war das so aber nicht ganz zu realisieren, das Stück sei nicht gut zu tragen habe ich ihm gesagt. Er meinte dennoch, dass das es nach seinen Vorstellungen gemacht werden müsste - naja, das Resultat war dann eben auch, dass es, wie von mir gewarnt, nicht gut zu tragen war. Das verstehe ich dann aber auch nicht, ich gehe ja auch nicht zu einem Architekten und schreibe ihm vor, wie er mein Haus zu bauen hat: "Egal, ob Sie glauben, dass dieses Haus dann nicht steht, bauen Sie es so!" Das macht ja keiner...

 

Ansonsten ist das Schönste für mich, wenn sich ein Kunde richtig über die Arbeit freut, die wir gemacht haben und alles nach seinen Vorstellungen geworden ist."

Was war das bisher teuerste Schmuckstück, das Sie gefertigt haben?

"Ach, wissen Sie, das kann man so garnicht beantworten. Wenn ich einen Ring mit einem guten ein-Karäter mache, wo der Stein schon über 10.000 Euro kostet, und der Goldring, in den er eingefasst wird etwa einen Wert von vielleicht 1.000 Euro hat,
wie groß ist dann mein Anteil an den Kosten?"

Was war Ihr Gesellenstück und haben Sie es noch?

"So gesehen habe ich ja zwei Gesellenstücke gemacht. Mein erstes war ein Goldarmreif mit Steinbesatz und einer sogenannten Konterschließe. Das zweite eine Weinkanne aus 925er Sterling Silber und einem eingefassten Holzgriff."

Wie sieht der tatsächliche Alltag eines Goldschmieds (in Ihrem konkreten Fall) aus?

"Auch das kann ich Ihnen nicht so pauschal beantworten. Der Alltag eines angestellten Goldschmieds sieht sicher ganz anders als meiner. Ich verbringe meine Zeit etwa 50:50 im Büro und an der Werkbank - manchmal kippt dieses Verhältnis mehr zur einen oder anderen Seite. An sich ist die Arbeit aber doch größtenteils praktischer Natur und das gefällt mir. Es gibt auch Tage, an denen ich nur am Werktisch sitze. Ansonsten gibt es das Übliche zu tun: Vorbereitungen für die Steuer, Kassenbuch führen, Material bestellen usw. Wir bestellen Material wie Gold, Silber und Steine ja nicht nur nach Auftrag, sondern haben auch immer eine gewisse Auswahl am Lager. Nicht so häufig kommen natürlich auch Dinge wie Stromtarife vergleichen etc. hinzu, was man halt im Büro so zu tun hat.

 

Die Dekoration der Auslage ist natürlich auch so eine Sache. Viele lassen das von Dekorateuren machen aber ich muss Ihnen ehrlich sagen, dass mir das nie so gut gefallen hat, wie die das machen. Ich hab das immer gerne etwas anders, als die das machen würden."

Hat sich die Kundschaft im Lauf der Jahre verändert?

"Ich könnte nicht sagen, dass sich bei den Kunden etwas verändert hat. Das Klientel ist eigentlich über die Jahre das gleiche geblieben. Es sind Menschen, die Schmuck mögen und das Besondere oder Individuelle darin für sich suchen."